Ein Duell in Basel 1428

Michael Chidester (ein Forscher des historischen Fechtens, der für viele Inhalte auf Wiktenauer verantwortlich ist) hat einen Blog-Beitrag über ein Duell in Basel in 1428 veröffentlicht. Ich finde, dass er einen interessanten Einblick in die ritterliche Duellkultur des 15. Jh. gibt.

Ein spanischer Ritter, Juan de Merlo, kommt 1428 in Basel an und veröffentlicht eine allgemeine Herausforderung zum Zweikampf in Rüstung mit Kriegswaffen. Ein Ritter aus der Nähe von Basel, Heinrich von Ramstein, akzeptiert.

Die Kampfbedingungen kurz zusammengefasst:

  • Beide Kämpfer sind von Kopf bis Fuß gerüstet
  • Rüstung und Waffen sind wie die, die man auf dem Schlachtfeld benutzen würde, und entsprechenden bestimmten Maßen, die Juan mitteilen wird
  • Innerhalb jeder Runde, darf man keine Rüstung ablegen oder zusätzliche Rüstungsteile anlegen
  • Man darf aus keinem Grund den Platz verlassen, bis alle Runden vorbei sind
  • Man darf jederzeit aufgeben
  • Erste Runde:
    • Ein Wurf mit dem Speer
    • 50 Schläge mit der Mordaxt
  • Zweite Runde:
    • 40 Schläge mit dem Schwert
  • Dritte Runde:
    • 30 Schläge mit dem Dolch
  • Der Gewinner bekommt einen Rubin von dem Verlierer

Der originale Brief mit der Herausforderung ist nicht überliefert, aber die Basler Chroniken haben eine deutsche Übersetzung des Originalbriefs. Wie mit vielen alten Texten, gab es keine Rechtschreibung, wie wir sie heute kennen. Da ich es sehr unterhaltsam finde, solche Texte zu lesen, habe ich den Text originaltreu reproduziert, wobei die diakritischen Zeichen nicht 1 zu 1 korrekt sind (ė z.B. soll ein “e” mit einem kleinen “a” darüber sein). Man kann den Originaltext auch hier lesen.

Der nottel, als Johan von Merlo ubergab, wiset also:

Die gedinge der wappen min Johann Merlo kleinotes, die durch einen iegklichen ritter oder wappengenosz one alle widerrede, der min kleinot beruͦrt und mit mir vechten will, notdúrftig werdent ze erfúllende, sint die, so hie nachgeschriben stand.

Des ersten geho̊rt dazuͦ, daz wir sient gewoppent zuͦ gantzem harnasch vom fuͦs uͦf untz an daz houpt mit solichen woppen oder harnasch, als unser ietweder gehaben mag, und bitzhar gehept hand ze fechtende geborn oder wappensgenosz lúte.

Die waffen oder wėre, so unser yetweder tragen mag, noch fritheit unsers kleinotz, sind die:

Des ersten ein spies oder gleve, ein solich als im velde ze fechten gewonlich ist ze tragende; mit welher gleve durch unser yetwedern ein wurff oder schutz gescheen sol.

Und ouch ein guͦt stritax; mit der selben ax durch unser ietwedern oder den ersten beschėhen sollent funftzig streich.

Und sollent ouch haben bede, swert und degen; und sollent bescheen durch unser ietwedern oder den ersten mit dem swert 40 streich, und mit dem tegen 30. zuͦ solichen waffenen, nemlich der gleve, der ax, dem swert und tėgen, wir haben soͤllent ein mosse, die ich geben wirde, wonn ich daz bescheidelich tuͦn sol oder darumbe ervordert wirde.

Und ist notdruftig ze wissend, daz an den woppenen und waffen allen kein boͤser sinn oder fund sin sol. es sollent ouch nit sin uff dem platz, durch in oder mich gesentd, ander wappen oder waffen noch nammen, noch dhein ander ding, so in solichen sachen verbotten sind – behalten den dingen durch mich in disen gegenwirtigen capitteln begriffen und bezeichnet – darumbe er und ich verbunden sint ze tuͦnde ein guͦten und redelichen eid.

Es ensol ouch enmag unser diewederer ufheben oder abenemmen dheinen teil sins harnasch, noch anders dartuͦn – doch behalten, ob er sach wirt, dhein ding, so unser ietweder unerfolget hette ze ebenende oder rechtze schickende; und daz wirt, die wile da ist oder weret daz zit der raste. daz wird nach den raͤsten, welhe reste notdurftig ist ze wissende; der werdent drie: in der ersten wirt, so beschehen sint der wurff mit der glėven und die fúnftzig streich alle mit der ax. in der andern rast, die 40 streich des swertes, und in der dritten, die 30 streich des tėgens.

Und ouch daz uf den tag, als wir ze fechtende habent, wir sin soͤllent uf dem platz eine stunde nach uffgang der sunnen, und unser richter, und der uͦf unserm platz sin wirdt, sol keinen gewalt haben uns zuͦ ziehende vom dem selben platz, durch kein notdurft, so uns zuͦkėme, untz daz wir ende und usztrag geben haben uf den einigen und ietz genempten tag in allen unsern waffenen hie bezeichnet – doch vorbehebt, daz der under uns, der daz besser von dem andern behebt, moͤge des, der daz boͤser von dem andern haben wirt. und daz der ze niessende sins adels oder manlicheit nemmen und haben sol ein rubin von dem, wider den er sin ere so vesteclich beschirmet het; welhen rubin der selbe, dem er also wirt, moͤgtuͦn, an er wil, nach sinem wolgevallen.

Und ist ze wissende, daz alle vorgeschriben und begriffen dinge sint mit solicher gedinge geleit, daz, so geendet sint alle streich und waffen, und so si erfúllet sind, unser yetwederer tuͦn moͤge alle die dinge, so er tėte, ob er ein yegklichen kampf tėte, also daz alle die vorgeschriben streich geslagen sient durch in und durch mich, von dem undern port der platten in die hoͤhi.

Und wand die vorgenant dinge bedoͤrffent des obgenanten valles ze gebende gewarsami, so hab ich Johanns von Merlo vorgenant geleit in diesn cappitteln, so geteilt sind in zwey durch a b c, daz ingesigel miner wappen, in dem gemuͤte ze erfúllende die dinge, so davor geseit sind, und habe sy gevestinet mit minem nammen ec.

– Transkription der deutschen Übersetzung des Herausforderungsbriefes von Juan de Merlo. Basler Chroniken, Band 4: Link

Laut der Basler Chroniken haben beide sich tapfer geschlagen und Ehre für sich gewonnen:

man sol wussen, das sú gar ritterlichen fochtend in sohrancken. was wol geordnet von der stat mit gewopneten lutten fúr uflŏff. do worend benempt nemplich slege mit tegen, nemlich mit dem swert, nemlichen mit mordexen, nemlichen mit spiessen; wart als ritterlichen geuͤbet, das man in beden grosz ere gab.

– Transkription aus den Basler Chroniken, Band 4: Link

Es ist nicht klar, ob es einen Sieger gab, und anscheinend hat niemand eine schlimme Verletzung erlitten.

Es gibt viele weitere Details, die man am besten in dem Beitrag von Michael Chidester lesen kann, aber keine genaue Beschreibung des Duellablaufs selbst.

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