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Ob es sich nun um ein Schwert, ein Flugzeug oder eine Waschmaschine handelt, kann man die Eigenschaften eines Objekts in „harte“ und „weiche“ Faktoren unterteilen. Diese beiden Kategorien existieren, um hervorzuheben, wie unterschiedliche Eigenschaften zur Leistung des Dinges beitragen.
Was sind harte und weiche Faktoren?
- Harte Faktoren sind Eigenschaften, die für den Nutzen der Sache wichtig sind, und objektiv gemessen werden können
- Weiche Faktoren sind qualitative Eigenschaften, die für den Nutzen der Sache wichtig sind, sich aber nur schwer in Zahlen messen lassen
Jedes Schwertdesign hat verschiedene harte und weiche Faktoren. Zum Beispiel:
- Schwertdesign
- Harte Faktoren
- Länge
- Gewicht
- Schwerpunkt
- Klingenform und -profil
- Oberfläche der Parierelemente
- usw.
- Soft factors
- Bedienungskomfort
- Tragbarkeit
- Pflegeleichtigkeit
- Mode
- Soziale oder kulturelle Bedeutung
- usw.
- Harte Faktoren
Harte Faktoren sind am einfachsten zu verstehen, da sie sich direkt auf die Leistung auswirken. Ein Schwert mit einer längeren Klinge hat eine größere Reichweite. Ein Schwert, das schwerer ist, erfordert mehr Kraftaufwand beim Beschleunigen und Abbremsen. Ein Schwert mit zwei Schneiden kann sowohl mit der vorderen als auch mit der hinteren Schneide schneiden. Ist doch klar.
Weiche Faktoren sind am leichtesten zu übersehen, weil sie sich oft nur indirekt auf die Leistung auswirken und oft kontextabhängig sind. Goldverzierungen auf dem Schwert und der Rüstung eines mittelalterlichen Ritters wirken sich nicht unbedingt auf seine Kampffähigkeit aus, aber das Gold sagt seinen Verbündeten: „Ich bin reich und wichtig, ihr solltet mir besondere Privilegien einräumen!“ und seinen Feinden: “Tötet mich nicht! Meine Familie kann sich wahrscheinlich ein hohes Lösegeld leisten.”
Einige weiche Faktoren sind bei historischen Fechtern besonders leicht zu übersehen, weil sie in der Vergangenheit relevant waren, aber heute nicht unbedingt relevant sind:
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Tragekomfort
Einer der Gründe für die historische Beliebtheit des Schwertes ist sein Nutzen als Seitenwaffe. Das Schwert ist eine Waffe, die bequem an der Seite getragen und im Alltag mitgeführt werden kann, ohne allzu sehr zu stören. Selbst das Schwert eines besonders kampflustigen Condottiere wird die meiste Zeit seiner aktiven Nutzung am Körper getragen werden.
Das moderne historische Fechten befasst sich jedoch mit dem fechterischen Teil der historischen Fechtkunst. Wir tragen (in der Regel) weder historische Kleidung noch unsere Fechtschwerter, wenn wir nicht gerade fechten. Daher ist der Tragekomfort für unsere Zwecke im Wesentlichen irrelevant, auch wenn dies in der Vergangenheit eine sehr praktische Überlegung gewesen wäre.
Robinswords hat ein großartiges Video (1:30), das einige spezifische praktische Überlegungen zur Bequemlichkeit des Tragens umreißt.

Einsatzbereitschaft
Abgesehen von einer Handvoll Ausnahmen beginnen fast alle heutigen historischen Fechtgänge mit gezogenen Waffen. Dies ist angemessen, um ein Szenario wie ein Duell annähernd zu simulieren, aber du kannst dir bestimmt viele andere historische Szenarien vorstellen, in denen eine Person, die ein Schwert trägt, es schnell und unerwartet ziehen muss.
Je länger die Klinge ist, desto schwieriger ist es, das Schwert zu ziehen. Wenn man in der Lage sein will, sein eigenes Schwert an der Seite zu tragen und ohne Hilfe zu ziehen, gibt es eine harte Obergrenze für die Länge des Schwertes. Komplexe Gefäße können das Ziehen des Schwertes ebenfalls etwas erschweren.
Da das heutige historische Fechten in der Regel mit gezogenen Waffen beginnt, werden die weichen Nachteile längerer Waffen heruntergespielt während die weichen Vorteile kürzerer Waffen praktisch irrelevant sind.

Mannstoppwirkung
Viele historische Schwertdesigns sind (wenig überraschend) für das effektive Schneiden optimiert, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein erfolgreicher Treffer auch ein wirksamer ist. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, die Masse und die Massenverteilung der Klinge entsprechend anzupassen. Unter sonst gleichen Bedingungen schneidet eine schwerere Klinge besser, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Kampf mit einem einzigen Treffer entschieden wird. Man kann jedoch mit einer leichteren Klinge das Schwert schneller beschleunigen und abbremsen und die Verhältnisse zwischen den Waffen schneller anpassen (was für Angriff sowie Verteidigung sehr nützlich ist), und es besteht immer noch die Möglichkeit, dass ein einziger Treffer den Kampf beendet.
Eine schwerere Klinge erhöht beim Fechten das Risiko, dass man den Gegner tatsächlich verletzt, und es ist nicht praktikabel, die Trefferqualität eines Hiebes für verschiedene Klingenprofile unterschiedlich zu bewerten. Daher ist eine große „Mannstoppwirkung“ für den modernen historischen Fechter praktisch irrelevant (und vielleicht sogar ungewollt, wenn man sich für die Gesundheit seiner Mittrainierenden interessiert).

Generalist vs. Spezialist
Die Vielfalt der historischen Kontexte ist ein Grund für die beobachtete Vielfalt der Schwertformen. Spezialisierte Werkzeuge sind immer besser für die Aufgabe, auf die sie spezialisiert sind, doch einige Schwertformen scheinen über die Zeiten und Kulturen hinweg beliebt zu sein, weil sie sich in verschiedenen Kontexten bewähren, obwohl sie in keinem Kontext die „besten“ sind. Dabei handelt es sich natürlich um die Abwägung zwischen den Vorteilen des Generalisten und des Spezialisten.
Auch wenn „Kontext!“ eine beliebte Parole von historischen Fechtern ist, könnte man eventuell vergessen, dass die heutige historische Fechtszene selbst ein historischer Kontext ist. Dieser Kontext beeinflusst die (Trainings-)Schwerter, die wir verwenden und die, die Hersteller produzieren. Der historische Fechter weiß auch, in welchem Kontext er fechten wird, bevor er ein Schwert aus seiner Fechttasche holt, sodass es eigentlich keinen praktischen Grund gibt, sich gegen ein spezialisiertes Werkzeug zu entscheiden, wenn eins zur Verfügung steht. Die weichen Vorteile des Generalisten sind also im heutigen historischen Fechten von untergeordneter Bedeutung.


Oben: chinesischer Dao des 19. Jh.
Unten: italienischer Säbel des 16. Jh.
Kosten
Obwohl moderne historische Fechter sicherlich zustimmen würden, dass Trainingsschwerter oft recht teuer sind, ist der Kostenunterschied zwischen verschiedenen Schwertarten heutzutage normalerweise nicht so groß, dass es die eine oder andere Art unerschwinglich macht.
Rüstung ist ein ganz anderes Thema. Die meisten modernen historischen Fechter, die eine mittelalterliche Langschwertquelle studieren, legen wahrscheinlich viel mehr Wert auf das Fechten ohne Rüstung, als es ein Mensch aus dem Ritterstand zur Zeit der Quelle getan hätte. Das liegt daran, dass eine Rüstung für einen Ritter selbstverständlich war, aber für die allermeisten heutigen Hobbyfechter einfach viel zu teuer ist. Wir mögen zwar Lippenbekenntnisse zur Bedeutung der Rüstung in der damaligen Zeit ablegen, aber unsere gelebte Erfahrung ist aus pragmatischen Kostengründen eher auf das Bloßfechten ausgerichtet. Das hat einen Einfluss auf unsere Trainingsmethoden und unsere Wahrnehmung des historischen Fechtens.


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